Rückblick: #türauf Benefiz-Matinee

Am 28. Juni fand in der Kölner Philharmonie zum Abschluss der #türauf-Aktion 2015 eine Benefiz-Matinee zugunsten der Kölner Flüchtlingshilfe statt. Für einen bunten Mix aus Musik, Gesprächen, Lesungen und politischer Botschaft konnte Hauptorganisator und #türauf-Mitglied Pfarrer Hans Mörtter eine Vielzahl von Gästen und Künstlern gewinnen. Bettina Böttinger moderierte den Vormittag in der fast ausverkauften Kölner Philharmonie, unter deren Gäste sich auch Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes und Sozialdezernentin Henriette Reker befanden.

Den Auftakt der Veranstaltung machte die in Köln lebende ukrainische Sängerin Mariana Sadowska. Eine Ausnahmekünstlerin, deren Stimme unter die Haut geht. Sie trug traditionelle ukrainische Waisen vor – teils a capella, teils mit eigener Begleitung an Piano und Harmonium – und sang zusammen mit dem Iraker Bassem Hawar, der auf dem arabischen Saiteninstrument Djoze spielte.

Das Gürzenich-Orchester spielte unter der Leitung von Will Humburg die Ouvertüre von Rossinis Oper über den Schweizer Freiheitskämpfer „Wilhelm Tell“ und Auszüge aus Verdis „Macbeth“. Zusammen mit dem Chor der Oper Köln unter der Leitung von Andrew Ollivant sorgten sie für Gänsehaut mit dem Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“.

Außerdem sang die Rock- und Blues Sängerin Inge Sagemüller von der Band Kozmic Blue, die von ihrem Mann und ihrem Sohn an Gitarre und Cello begleitet wurde. Blues-Legende Richard Bargel funktionierte bei seinem Song kurzerhand das Publikum zum Chor um und ließ die Gäste mitsingen.

Zwischendurch kamen in Gesprächen Elias Bierdel und Monika Hauser zu Wort. Bierdel, ehemaliger Leiter von Cap Anamur, seit 2007 bei borderline europe, kritisierte die Abschottungspolitik der EU und berichtet von der Problematik an den EU-Außengrenzen. Insbesondere von seinen Erlebnissen auf der griechischen Insel Lesbos, wo täglich mehrere Hundert Flüchtlinge stranden und versorgt werden müssen. Auch Ärztin und Frauenrechtlerin Monika Hauser von der Organisation medica mondiale findet klare Worte. Es sei der Öffentlichkeit gar nicht bewusst, dass ein Großteil der Flüchtlinge Frauen und Kinder seien, die häufig neben den Strapazen einer Flucht zusätzlich sexualisierte Gewalt erleben. Gerade für sie müsse es besondere Betreuungseinrichtungen und separate Unterkünfte geben.

Berührende Texte und Geschichten von Zuwanderern, die Hans Mörtter bewusst ausgewählt hatte, brachten dem Publikum das Leid der Flüchtlinge näher. Die Schauspielerin Svenja Wasser las aus „Gestrandet“ von Youssouf Amine Elalamy und Bestseller-Autor Frank Schätzing aus „Das Meer am Morgen“ von Margaret Mazzantini.

Zum Schuss fanden sich die Bläck Fööss Mitglieder Hartmut, Kafi und Bömmel begleitet von Orchester, Chor und weiteren Solisten auf der Bühne ein, um gemeinsam ihr Lied „Unsere Stammbaum“ zu singen. So kam es zu einem wunderschönen und emotionalen Finale des Vormittags, bei dem das Publikum mit in den Refrain einstimmte und sich daran erinnerte: „Su simmer all he hinjekumme, mir sprechen hück all dieselve Sproch. Mir han dodurch su vill jewonne. Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing. Dat es jet ,wo mer stolz drop sin.“
 

Bilder: Helga Fitzner/ lutherpics